Liebe ÖVP-Wien (Offener Brief)

Liebe ÖVP-Wien,

Noch bevor mir vor kurzem jemand empfohlen hat, die Seite der ÖVP-Wien auf Facebook zu liken, sind mir bereits mehrmals eure neuen Plakate beim Spazierengehen aufgefallen. Und ich hab mich etwas gefragt, was ich mich schon seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten frage. Was erhofft sich die ÖVP-Wien von dieser permanenten Negativkampagne? Die Strategie auf Vetternwirtschaft der SPÖ, Verschwendung und Gebührenerhöhungen hinzuweisen (wobei ich stark bezweifle, dass das unter einer ÖVP-Führung viel anders wäre), wird jetzt schon seit ewig gefahren – und bringt ja ganz offensichtlich keine Zuwächse, sondern im Gegenteil stetige Verluste.
Ich schreib das jetzt als jemand, der nix gegen die ÖVP und auch durchaus einige Freunde in der Partei hat, und frage mich das vor allem als jemand mit gesunden Menschenverstand. Wien ist eine Stadt, in der im großen Ganzen alles sehr gut funktioniert, viel besser als in den meisten anderen Großstädten, und die seit Jahren alle wesentlichen Rankings in Punkten wie Lebensqualität etc. anführt.
Und die Menschen in Wien wissen das auch und schätzen es, hier zu leben. Bis auf die Modernisierungsverlierer und ewigen Miesepeter, aber die wählen sowieso FPÖ. Wen will die ÖVP also mit solchen Slogans wie “400 € mehr Kosten für jede Familie“ erreichen? Damit erschreckt man doch höchstens ein paar Pensionisten.
Ich bin nicht eure PR-Abteilung, aber mit dieser ständigen Kampagnisierung gegen Rot, gegen Grün – eigentlich gegen Wien – wird sich die ÖVP Wien nur noch mehr marginalisieren. Wie wär’s mit einem Strategiewechsel? Mit positiven Inhalten, mit Zukunftsvisionen, mit Strategien für eine neue große Metropole des 21. Jahrhunderts? Ich glaube, ich habe von der ÖVP-Wien seit Erhard Buseks „Bunten Vögeln“ nichts Positives mehr gehört. Und das ist lange her.
Mir ist es ja im Großen und Ganzen egal und würde es durchaus mit milder Häme zur Kenntnis nehmen, wenn sich die ÖVP damit wieder einmal politisch ins Knie schießt – wie ich es jedes Mal mit Häme zur Kenntnis nehmen, wenn das eine Partei tut, egal welche. Allerdings macht die ÖVP das wesentlich öfter. Besonders die aus Wien. Ich schreibe das also nicht aus Sorge um euren Bestand, sondern einfach nur aus dem Gefühl des Kopfschüttelns heraus. Dass das mit dem Feurio-Schreien nicht funktioniert. müsste doch inzwischen jedem einigermaßen klar denkenden Menschen aufgefallen sein.
Ich würde jedenfalls eine Richtungswechsel in Richtung positive Botschaften der ÖVP sehr begrüßen! Schon allein damit mich nicht dauernd so ein älterer verhärmter Mann in den Busstationen sorgenvoll und durchdringen anblickt.
Liebe Grüße
HH

[Der Text erschien ursprünglich als Postimng auf Facebook, als Antwort auf die Einladung eines Freundes die „ÖVP-Wien“-Seite zu liken.]

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